Autor: l.y

  • Strandabenteuer

    An einem meiner freien Tage in den Sommerferien entschloss ich mich, auf eine kleine Erkundungstour zu gehen.

    Meine Lieblingsmethode für solche Erkundungen sieht folgendermaßen aus: Ich suche mir Orte auf Google Maps, die interessant aussehen, und markiere sie. Anschließend fahre ich hin.

    Da ich gerne mal an einen Strand gehen wollte, aber keine großen Menschenmassen mochte, erweckte ein kleiner, unscheinbarer Strand unweit des menschenüberlaufenen Suma-Beach meine Aufmerksamkeit, und ich machte mich auf die Reise zum Sumaura-Park, von dem aus es so aussah, als ob man den Strand fußläufig erreichen könnte. Nach einem Spaziergang durch den Park lief ich ein kurzes Stück an der Straße entlang und gelangte zu einer kleinen, unscheinbaren Treppe, die in einen kleinen Tunnel unter Bahnschienen führte. Diesen durchquerend, fand ich mich an einem tiefliegenden Sandabschnitt wieder, von dem aus ich über einige Tetrapoden klettern musste, um letztlich am verlassenen Strand anzukommen.

    Nicht ganz verlassen, denn eine Gruppe von vier Jugendlichen saß zusammen am Strand, um dort zu grillen. Zunächst ging ich an der Gruppe vorbei, um mich etwas weiter weg alleine hinzusetzen, Steine ins Wasser zu werfen und die Atmosphäre zu genießen. Beim Vorbeigehen sagte ich den Jugendlichen, dass das Essen sehr lecker rieche. Als ich mich auf den Rückweg an den Jugendlichen vorbeimachte, um etwas zu Abend essen zu gehen, boten sie mir auf einmal eine Schale mit gegrilltem Yakisoba an. Das Angebot konnte ich natürlich nicht ablehnen, und so setzte ich mich zu ihnen, aß Yakisoba und unterhielt mich ein wenig mit meinen spontanen Wohltätern. Sie erzählten mir, dass sie Erstjährlinge an einer Universität in Kobe seien und auch zum ersten Mal diesen Strand besuchten. Nachdem ich aufgegessen hatte, wünschten sie mir noch einen schönen Tag, und ich machte mich auf den Rückweg.

    Leichter gesagt als getan, sollte ich feststellen, denn der Tunnel, durch den ich hergelangt war, stand auf einmal unter Wasser. Tja, Ebbe und Flut sind wohl auch hier ein Ding. Abwägend, ob ich die Schuhe ausziehen und durch die etwas dreckige Suppe stapfen oder nach einem anderen Ausweg suchen sollte, entschied ich mich für die letztere Option. Diese führte letztlich dazu, dass ich knapp einen Kilometer bei Dämmerung und einsetzendem Regen, von Wasser umringt, über die Tetrapoden bis zum Suma Fishing Park kletterte, um endlich schweißüberströmt zurück in die Zivilisation zu gelangen. Ein echtes Abenteuer.

  • Zu Besuch bei einer Gastfamilie

    Carl, einer meiner Freunde aus der Sprachschule, hatte sich für eine etwas andere Methode entschieden, in Japan zu wohnen, als selbst eine Wohnung oder ein Zimmer in einem Sharehouse anzumieten: einen Aufenthalt bei einer Gastfamilie. Auch wenn Gastfamilie hier nicht ganz zutreffend ist, da „Familie“ sich in diesem Fall nur auf eine einzelne Dame gesetzten Alters bezieht.

    Bei einer unserer Unterhaltungen erzählte er mir davon, dass er jeden Abend mit tollen Gerichten bekocht werden würde. Als ich ihm sagte, wie beneidenswert ich das finde, lud er mich sofort ein, einen Abend bei ihm und seiner Gastgeberin vorbeizukommen und mitzuessen. Eine Einladung, die ich mit großer Freude annahm.

    Am entsprechenden Tag wurde mir klar, dass es vermutlich unhöflich wäre, meinerseits kein Mitbringsel dabeizuhaben. Besonders in Japan existiert eine starke Kultur rund um Omiyage (Mitbringsel). Sofern man bspw. eine Reise unternimmt, ist es nicht nur üblich, Omiyage für Familienmitglieder oder Freunde mitzubringen; sogar am Arbeitsplatz wird unter Umständen erwartet, etwas für die Kollegen ins Büro zu legen. Bei einer Einladung in ein fremdes Haus wäre es daher geradezu fahrlässig gewesen, nichts mitzubringen. Ich entschied mich also dafür, die einzige Schokolade zu opfern, die ich für Notfälle aus Deutschland mitgebracht hatte, und sie Carls Gastgeberin als Omiyage mitzubringen.

    Die freundliche Dame, bei der Carl untergekommen war, wohnte auf dem „Port Island“ von Kobe in einem 24-stöckigen Haus. Die Wohnung war gemütlich eingerichtet und voll mit Erinnerungsfotos von anderen Gästen sowie selbstgemachten Papierpuppen und anderen Ziergegenständen. Später sollte ich herausfinden, dass die alte Dame in jüngeren Jahren die Puppen selber machte und für eine Puppe ungefähr drei Monate benötigte. Seit ihr Mann gestorben war, hostete sie regelmäßig für kürzere oder längere Aufenthalte Gäste aus dem Ausland.

    Kurz nach meiner Ankunft wurde das Essen aufgetischt. Ein tolles Assortiment verschiedener Speisen, darunter neben dem obligatorischen Reis auch Sashimi, Fleisch mit Teriyaki-Marinade und Nudeln mit Shrimps. Mit leerem Magen sollte hier jedenfalls niemand herausgehen, abgesehen davon, dass es unfassbar lecker gewesen ist. Während des Essens unterhielten wir uns auf Japanisch miteinander und ich erfuhr einiges über das Leben der interessanten Dame und über die Geschichte von Port Island. Nach dem Essen gingen wir auf die oberste Etage des Hauses, um einen atemberaubenden Nachtblick auf die Stadt zu erhalten.

  • Post und Bearbeitung in Japan

    Solange man nicht flüssig Japanisch lesen kann, ist es wohl ein eher ungern gesehenes Ereignis, Post in Japan zu bekommen.

    Da auch wichtige Dokumente stets voll und ganz in komplexem Japanisch formuliert sind und ohne Übersetzung kommen, ist das Grauen groß, wenn im Briefkasten mal wieder ein Papier mit dem eigenen Namen liegt. Das Problematischste daran ist, dass die meiste Post auch noch einen gewissen Handlungsbedarf mit sich zieht. Zwar ist es heutzutage möglich, sich mit Übersetzungsapps zu behelfen, doch die Möglichkeit, auf Unterstützung von Muttersprachlern oder Leuten, die sich auskennen, zurückzugreifen, sollte nicht unterschätzt werden.

    Ich konnte dafür glücklicherweise die Unterstützung meiner Sprachschule heranziehen, deren Büro und Anlaufstelle für jedwede Fragen und Probleme stets zu Schulzeiten geöffnet war.

    Einige Briefangelegenheiten stelle ich in den folgenden Abschnitten kurz vor.

    Krankenversicherung

    Die Anmeldung für die obligatorische Krankenversicherung findet zusammen mit der ersten Anmeldung in Japan statt und wird mehr oder minder ohne großen eigenen Beitrag im Bezirksamt gemacht. Einige Tage später erhält man die ersten Briefe mit der Aufschrift „NATIONAL HEALTH INSURANCE NOTIFICATIONS“. Neben einer Reihe komplexer Infoblätter auf Japanisch sind hier meiner Erfahrung nach besonders zwei Dinge wichtig.

    Erstens: Die Krankenversicherungskarte. Hierbei handelt es sich um eine Karte aus Papier, die einen ähnlichen Zweck wie die KV-Karte in Deutschland erfüllt, jedoch durch die My Number Card vollständig ersetzt werden kann.

    Zweitens: Die Zahlscheine für die Beiträge zur Krankenversicherung. Bei Aufnahme in die nationale Krankenversicherung im Bezirksamt wird gefragt, auf welche Weise man die Beiträge entrichten möchte. Da gerade zu Anfang Bankangelegenheiten in Japan sehr komplex sein können und besonders neu eröffnete japanische Konten zunächst über Einschränkungen verfügen, bietet es sich an, Barzahlung zu wählen. Sofern ausgewählt, erhält man dann per Brief eine Menge an Zahlscheinen – jeweils einen pro Monat – für den Rest des aktuellen Geschäftsjahres. Damit kann man die Beiträge bspw. in einem Convenience Store (Konbini) entrichten. Auf den Zahlscheinen steht stets der entsprechende Monat, bis zu dessen Ende der Beitrag bezahlt werden muss. Um im Konbini zu bezahlen, kann man einfach zur Kasse gehen, „Onegaishimasu“ sagen und die Kassierer wissen, was zu tun ist. Entsprechend des Systems kann die Zahlung nur in Bargeld angenommen werden.

    Rentenversicherung

    Für die Rentenversicherung kann man in den ersten Jahren des Aufenthalts in Japan eine Befreiung beantragen. Das wird im Bezirksamt auch so empfohlen und kann bei der Anmeldung des Wohnorts direkt mitgemacht werden. Der Casus knacksus hier ist, dass trotz der Beantragung der Befreiung ein Brief mit einer Menge Rechnungen, ähnlich wie die Rechnungen für die Krankenversicherung, ankommen kann. Im Bezirksamt wird erläutert, dass der Brief über die Befreiung erst nach den Rechnungen ankommen und die Rechnungen somit ignoriert werden können. Da ich Ende Juni in Japan ankam, verkomplizierte sich das Ganze in meinem Fall noch weiter, denn im ersten Brief wurde ein Zeitraum der Befreiung von Juni ’25 bis Juni ’25 angegeben. Ich machte mich also erneut auf den Weg zum Amt, um nachzufragen, ob ich hier aufgrund eines Fehlers nicht für den korrekten Zeitraum von einem Jahr befreit wurde. Bei dieser Gelegenheit wurde mir erneut versichert, dass ich mir keine Sorgen machen müsse, und tatsächlich: Wenige Tage später erreichte mich eine weitere Befreiung für Juli ’25 bis Juni ’26. Sofern man bei der Anmeldung also eine Befreiung beantragt hat, kann es sich lohnen, erst mal abzuwarten, um sich einige Amtsgänge für überflüssige Nachfragen zu sparen.

    My Number Card

    Eine My Number Card ist extrem nützlich, denn sie ersetzt nicht nur die Gesundheitskarte, sondern ermöglicht auch die Authentifizierung, um bspw. offizielle Papiere einfach in einem Konbini auszudrucken, statt dafür aufwendig zum Amt zu rennen. Die Papiere für die Beantragung der My Number Card kommen ebenfalls per Brief direkt nach Hause, und zwar etwa zwei Wochen nach der Erstanmeldung. Mit diesen Papieren und einem Foto, welches allerdings auch direkt vor Ort gemacht werden kann, kann man die Karte beim Bezirksamt beantragen. Im Gegensatz zur Residence Card wird diese Karte leider nicht direkt ausgestellt, sondern benötigt, so wie ein Ausweis in Deutschland, einige Wochen, bis sie abholbereit ist. Die Notiz zur Abholbereitschaft kommt nach etwa einem Monat erneut per Post. Bei der Abholung im Amt wählt man eine PIN, die man sich unbedingt merken sollte, um die Karte bspw. in einem Konbini nutzen zu können.

  • Schulfest

    Nach einem Spaziergang mit Sota, meinem ersten japanischen Freund ähnlichen Alters, lud er mich auf ein Schulfest an einer lokalen Grundschule ein. Das klingt erstmal seltsam, lag aber daran, dass seine Mutter Teil des Organisationsteams war.

    Das Fest fand auf dem Schulhof statt, auf dem neben einem Yagura auch eine Bühne und mehrere Stände für Essen und Trinken aufgebaut waren. Trotz dem es sich um ein Grundschulfest handelte, war nur ein kleiner Anteil der Anwesenden wirklich im Grundschulalter. So fanden auf der Bühne zunächst hauptsächlich Tanzvorstellungen statt, allerdings eher von Studenten und Schülern älteren Alters. Neben den leckeren Snacks an den Ständen war die Stimmung allgemein sehr ausgelassen und fröhlich. Besonders beim Bon Odori, einem traditionellen Tanz etwas später am Abend und der Show danach, bei der viele Kinder und auch die Erwachsenen zum Mittanzen vor und auf der Bühne animiert wurden.

    Es war eine tolle Veranstaltung für Familien sowie Teilnehmer beliebigen Alters.

  • Cafe If 1995

    Bei einer meiner liebsten Entdeckungen in der Nachbarschaft, handelt es sich um ein kleines, unscheinbares Café mit dem Namen „Cafe If 1995“. Bereits in der ersten Woche hat dieses Café auf Google Maps mein Interesse geweckt; da es allerdings täglich nur bis 17 Uhr geöffnet und meine Tage anfangs ziemlich gut gefüllt waren, schaffte ich meinen ersten Besuch erst nach einer Weile.

    Der Name dieses Cafés war definitiv Programm. Vom Innenraum, der Einrichtung, über Geschirr und Deko, bis zur Methode der Kaffeezubereitung, war alles (so wie) aus dem Jahr 1995. „So wie“ in Klammern gesetzt, denn die Besitzerin erzählte mir später, dass sich das Meiste tatsächlich seit diesem Jahr der Eröffnung nicht verändert hat.

    Als ich das Café zum ersten Mal betrat war ich der einzige Gast. Das Menü war, gerade im Hinblick auf das Essen, sehr preiswert und besonders die Sets sogar ziemlich günstig. So bestellte ich ein Set mit gemischten Sandwiches, Kaffee und Salat für lediglich 830 Yen. Während ich der spannenden Kaffeezubereitung mit Syphon folgte und die Besitzerin dabei war, die Sandwiches zuzubereiten, beichtete sie mir, dass sie etwas nervös sei, da nicht häufig Gäste aus dem Ausland vorbeikommen würden. Ich versicherte ihr, dass das nicht nötig sei und versuchte möglichst gut, mich auf Japanisch mit ihr zu unterhalten.

    Nachdem das Set fertig zubereitet war konnte ich den besten schwarzen Kaffee genießen, den ich bis dato in Japan getrunken habe. Auch die frisch zubereiteten Sandwiches waren, wenn auch aufgrund der Menge des Inhalts etwas schwierig zu essen, ohne dass etwas hinausfällt, ein purer Genuss. Insgesamt also ein wahres Gedicht für die Geschmacksknospen und zusammen mit der ruhigen und angenehmen Atmosphäre im Café einer der Gründe dafür, dass dieses Café fortan mein Go-To-Spot für’s Frühstücken und Lernen werden sollte.

  • Izakaya-Erfahrungen

    Kontakte knüpfen im Izakaya

    Bei meinem zweiten Besuch in dem Izakaya, welches ich in meinen ersten Tagen Japan besucht hatte, wurde ich wieder unfassbar freundlich willkommen geheißen. Eine Dame, die auch bei meinem ersten Besuch dort gewesen war, erzählte mir, dass ihr Sohn gerne Englisch üben würde. Von der Idee eines Übungspartners und gegebenenfalls ersten Freundes in Japan war ich natürlich sehr angetan. Daher bot ich mich sofort als Gesprächspartner an und wir tauschten Kontaktdaten aus. Wenige Tage später erhielt ich eine Nachricht von ihrem Sohn, und wir vereinbarten ein erstes Treffen. Ein klarer Beweis dafür, dass man in Izakayas wunderbar Kontakte knüpfen kann.

    Jobangebot

    Auch mein dritter Besuch im Izakaya blieb nicht ohne Früchte. Als ich erwähnte, dass ich bald Sommerferien haben würde und für diese Zeit gegebenenfalls nach einem Job suchen würde, sprach mich jemand mit dem Spitznamen „Don“ an und meinte, er könne mir vermutlich einige Putzjobs auf Tagesbasis anbieten. Etwas sketchy, dachte ich mir – aber dennoch eine tolle Geste. Auch hier tauschte ich also Kontaktdaten aus und bat ihn, mich zu kontaktieren, falls sich etwas ergeben sollte.

    Karaoke Challenge

    Auch mein zweiter Besuch bei Lemon war ein voller Erfolg. Als ich ankam, wurde ich direkt mit Namen begrüßt und die Dame hinter der Theke konnte sich an alle Details erinnern, die ich ihr beim letzten Mal erzählt hatte. Tatsächlich rief sie sogar den anderen Gast vom ersten Besuch an, um ihm mitzuteilen, dass ich wieder da sei – allerdings war er wohl noch auf der Arbeit.

    Stattdessen unterhielt ich mich mit einem anderen Herrn, der mich sogleich auf zwei Bier einlud und ein Foto mit mir für seinen Instagram-Account machen wollte. Ich willigte natürlich ein. Zwei Biere und eine Unterhaltung später forderte er mich schließlich zum Karaoke heraus. Ich sollte versuchen, einen Song auf Japanisch zu singen. Praktischerweise befand sich direkt gegenüber, auf der anderen Straßenseite, eine kleine Karaokebar, zu der wir uns sofort aufmachten.

    In der Bar gab es einen kleinen Raum mit drei Tischen und Bänken sowie zwei Fernsehern für die Songtexte. Auch hier bestand das Personal aus einer älteren, sehr freundlichen Dame. Außer uns war niemand in der Bar. Wir sangen also einfach drauflos und tatsächlich schaffte ich, dank Live-Furigana-Lyrics, einen japanischen Song – zumindest bis zur Hälfte. Dazu wurde uns ein Topf mit kleinen Süßigkeiten auf den Tisch gestellt, die ich am Ende alle mitnehmen sollte. Auch hier war ich auf mein Bier eingeladen.

    Bekannte in der ganzen Einkaufsstraße

    In der dritten Woche meines Aufenthalts besuchte ich erneut das Ramen-Restaurant, in dem ich bereits an meinem ersten Tag essen gewesen war. Dort fragte mich der Besitzer plötzlich, ob ich einen gewissen „Itou-san“ kenne. Der Name kam mir zwar zunächst bekannt vor, allerdings hatte ich in der Zwischenzeit so viele Leute kennengelernt, dass ich mir nicht mehr sicher war, um wen genau es sich handelte. Daraufhin zeigte er mir das Instagram-Profil des Herrn, mit dem ich ein Foto gemacht und Karaoke gesungen hatte. Er erzählte mir, dass auch Itou-san regelmäßig bei ihm zu Gast sei und die beiden sich kurz über mich unterhalten hätten.

    Scheinbar kann man durch regelmäßige Besuche in Restaurants und Izakayas in der Nähe einen recht guten lokalen Bekanntheitsgrad erreichen.

  • Matsuri Exploration in Osaka

    In meiner zweiten Woche wurde es Zeit, mal raus aus Kobe zu kommen und Osaka zu erkunden. Über Meetup fand ich eine geführte Tour mit dem Ziel, Kontakte zu knüpfen und Einblicke in die Stadt zu gewinnen.

    Von Kobe aus dauert es etwa 45 Minuten mit dem Zug nach Osaka.

    Das Meetup war durchmischt mit japanischen und internationalen Teilnehmern. Wir wurden durch kleine Gassen geführt und erfuhren dabei Spannendes über einzelne Gebäude und Tempel. Mit allen Teilnehmern kam ich leicht ins Gespräch. Dabei unterhielten wir uns sowohl auf Japanisch als auch auf Englisch.

    Zum Abschluss gingen wir, für mich ein erstes Mal, auf ein traditionelles japanisches Festival (Matsuri), das auf dem Gelände eines Tempels stattfand. Die Atmosphäre war unglaublich lebhaft. Überall wuselten Leute herum, es gab Musik und traditionellen Tanz zwischen leuchtenden Laternen sowie diverse Stände, an denen man Snacks kaufen oder kleine Spiele wie Shateki spielen konnte. Neben Familien waren hier vor allem Jugendliche in Grüppchen unterwegs, hatten Spaß und trugen so zur lebhaften Atmosphäre bei. Das Meetup löste sich zwar auf dem Festival auf, allerdings blieb ich mit einem Teil der Teilnehmer noch dort um gemeinsam Kakigōri zu essen – eine Art Shaved Ice mit Sirup.

    Somit war meine erste Matsuri-Erfahrung ein voller Erfolg und ich kann nur meine vollste Empfehlung aussprechen.

    NICE TO KNOW: Das Wort „Matsuri“ erscheint häufig mit der Vorsilbe „o-„. Dabei handelt es sich um eine japanische Höflichkeitsform, die dem Ausdruck mehr Wertschätzung und einen höflicheren Klang verleiht.

  • Language Exchanges

    Die beste Möglichkeit, erste japanische Kontakte zu finden, habe ich über eine App namens Meetup entdeckt. Hier gibt es eine große Anzahl an Treffen unterschiedlicher Natur, von Wandergruppen und Stadtführungen über Spieletreffen und Partys, hin zu Treffen zum Sprachaustausch (Language Exchange).

    Zu meinem Glück fand ich gleich zu Anfang zwei interessante Gruppen mit regelmäßigen Treffen zum Sprachaustausch in Kobe. Von meiner ersten Teilnahme beider Events berichte ich hier.

    Das erste Treffen fand in einem Café in Motomachi, einem belebten Stadtteil von Kobe statt. Die Teilnahme kostete eine kleine Gebühr von 500 Yen, die an den Organisator gingen. Zusätzlich sollte man im Café mindestens ein Getränk bestellen – nochmal ca. 500 Yen. Alles in allem aber sehr lohnenswert.

    In dem Café waren vier Tische mit jeweils vier Plätzen reserviert. Die Tische wurden mit den Buchstaben A bis D gekennzeichnet. Bei rund 12 Teilnehmern waren nur etwas mehr internationale Teilnehmer dabei, als japanische Teilnehmer. Normalerweise überwog laut Hörensagen die Anzahl der japanischen Teilnehmer. Die Teilnehmer verteilten sich auf die Tische und sprachen jeweils 15 Minuten auf Englisch und 15 Minuten auf Japanisch miteinander. Nach 30 Minuten zog man verdeckt eine Karte mit einem der vier Buchstaben und wechselte an den entsprechenden Tisch. So konnte man mit verschiedenen Teilnehmern ins Gespräch kommen. Nach drei Durchläufen war das Event im Café zwar beendet – alle Teilnehmer, die Lust darauf hatten, konnten aber noch mit zum gemeinsamen Mittagessen kommen.

    Persönlich konnte ich durch das Event mein Japanisch üben und vier neue Kontakte auf LINE einspeichern. Nach dem Mittagessen ging ich mit zwei Teilnehmern noch weiter zum Hafen und wir verbrachten einen schönen Nachmittag.

    Das zweite Treffen war etwas anders organisiert und fand in einer Art Kulturzentrum statt, in dem es eine Bar, zwei lange Tische und einen Schrank voller Brett- und Kartenspiele gab. Es gab keinen geregelten Ablauf – dafür aber auch keine Kosten, außer auch hier die Bitte, ein Getränk (rund 800 Yen) zu bestellen. Aufgrund des niedrigeren Anteils an japanischen Teilnehmern wurde mehr Englisch, aber auch ein wenig Japanisch gesprochen und wir spielten in einer kleineren Gruppe mehrere Spiele gemeinsam.

    Auch hier konnte ich neue Kontakte einspeichern und ging mit zwei anderen Teilnehmern noch in Sannomiya Takoyaki essen.

  • Takatori Jinja

    Gegen Ende der ersten Woche unternahm ich meine erste kleine Wanderung zu einem Schrein auf einem kleinen Berg in der Nähe von meinem Sharehouse.

    Da die Tage im Hochsommer mit Abstand zu heiß sind machte ich mich zu Sonnenuntergang auf den Weg. Das macht in Japan zu dieser Jahreszeit zwar scheinbar nur einen seichten Unterschied von zwei bis drei Grad; die Abwesenheit der gleißenden Sonne ist aber doch ein ganz angenehmer Aspekt bei der körperlichen Betätigung zu Temperaturen von über 30 Grad.

    Orientieren wollte ich mich eigentlich über Google Maps, doch sobald ich die Stadt verließ und den waldigen Aufstieg begann, verließ mich die Internetverbindung. Auf der Hälfte der Strecke ungefähr fand ich mich dann an einer Weg-Abzweigung wieder. Während ich, unfähig, im Internet nach dem Weg zu schauen, noch in meiner Orientierungslosigkeit verharrte, kam glücklicherweise ein netter Herr des Weges und ich konnte mich nach dem Weg zum Schrein erkundigen. Daraufhin wurde mir direkt angeboten, gemeinsam den Berg zu erklimmen. Dieses Angebot nahm ich selbstverständlich dankend an und erhielt somit direkt eine weitere Möglichkeit, Konversation auf Japanisch zu üben. Auf dem Weg den Berg hinauf erfuhr ich, dass er nahezu jeden Abend als Fitnessprogramm den Berg bestiege. So verriet er mir auch vor jedem Treppenabschnitt die exakte kommende Stufenanzahl und versprach mir bereits zuvor eine lohnenswerte Aussicht am Ende unseres Aufstiegs.

    Auf der Strecke zum Takatori Jinja, dem Schrein auf der Spitze des Berges, befinden sich eine Menge kleiner Cafés, die zu dieser späten Stunde allerdings bereits geschlossen waren. Neben den Cafés gab es über den gesamten Weg eine Vielzahl an streunenden Katzen.

    Mit der lohnenswerten Aussicht hatte mir mein spontaner Begleiter nicht zu viel versprochen. Oben angekommen erwartete uns eine atemberaubende Aussicht über Kobe und die dahinter liegenden Inseln in der Bucht von Osaka. Da ich die Aussicht etwas länger genießen wollte trennten wir uns nunmehr am Gipfel und während mein spontaner Begleiter nach wenigen Minuten wieder den Abstieg beschritt, erkundete ich Schrein und Berggipfel und stieß dabei neben einem sehr, sehr dunklen Friedhof auch noch auf einige gute Fotomotive.

    Während meines alleinigen Abstiegs nahm ich auf einmal einen sich windenden Schatten zwischen meinen Füßen wahr und stellte mit einiger Überraschung fest, dass sich da eine Schlange zwischen ihnen entlangschlängelte. Abgesehen davon hörte ich zwar häufiger mal lautes Geraschel in den Büschen, dachte mir aber nicht viel dabei und kam letztlich auch sicher unten wieder an.

    Einige Tage später erwähnte ich meinen abendlichen Ausflug in einem Gespräch in einem meiner Stamm-Izakaya und erfuhr, dass es wohl gerade abends aktive Füchse, aber auch Wildschweine in den Bergen gäbe und mir wurde geraten, diese nur noch tagsüber zu besteigen. Ob es sich bei dem Geraschel nun um ein gefährliches Tier handelte, konnte ich natürlich zu diesem Zeitpunkt nicht mehr feststellen. Gerade im Bezug auf die Wildschweine war ich darüber aber relativ froh!

  • Einschulungszeremonie an der Sprachschule

    Am Mittwoch der ersten Woche fand die „Entrance Ceremony“ meiner Sprachschule statt.

    Diese hätte wohl klassisch-anmutender nicht sein können. Wir fanden uns in einem Raum ein, in dem die Schüler in mehreren Reihen in der Mitte saßen. Schulpersonal, also Lehrer und Schulleitung saßen am Rand. An der Vorderwand des Raumes hing ein Banner mit Logo und Namen der Schule und eine japanische Flagge.

    Zunächst wurde eine Hymne gesungen. Den Text kannte vermutlich niemand der neuen Schüler, durch das vorne abspielende Video konnte dies jedoch einigermaßen kaschiert werden. Anschließend gab es eine kleine Einführung von einer Lehrerin in die Zeremonie, gefolgt von Reden von Schulleiter, Vertreter der Schüler im Abschlussjahrgang und Vertreter der neuen Schüler.

    Zum Schluss wurden die Schulregeln erklärt. Die Essenz: Nicht im Unterricht fehlen, nicht zu spät kommen, keine Handys im Unterricht verwenden und nur mit Bleistift schreiben. Sollte man durch Krankheit oder andere Umstände mal zu spät oder gar nicht kommen, muss man bei nächster Ankunft in der Schule zunächst am Lehrerzimmer einen Zettel mit Unterschrift abholen, diesen zum Unterricht mitnehmen, dort von der Lehrkraft unterschreiben lassen, dann wieder in Lehrerzimmer gehen und den Zettel erneut unterschreiben lassen und abgeben. Wortlaut: „Kommt am besten immer und pünktlich zur Schule!“

    Am Ende wurden noch Gruppenfotos auf einem Balkon gemacht und die Zeremonie wurde mit gemeinsamen Essen und Trinken auf Kosten der Schule abgeschlossen.