Autor: l.y

  • Bahn(ver)fahren

    Auf einem Heimweg in der ersten Woche durfte ich sogleich auch erfahren, wie es ist, sich mit der Bahn in einer japanischen Großstadt zu verfahren.

    Da häufig auf derselben Strecke verschiedene Bahnlinien fahren, die sich nur geringfügig unterscheiden, kann es leicht passieren, in den falschen Zug zu steigen. Dieser fährt dann womöglich zwar am designierten Ausstiegshalt vorbei, hält dort aber nicht an.

    Das Gute: Es gibt keine Ticketkontrolle im Zug, wie in Deutschland, sondern Ein- und Ausgangstore an den jeweiligen Stationen. Hier scannt man üblicherweise seine Geldkarte (z.B. Suica) beim Eintritt in die Station und dann beim Verlassen der Zielstation erneut, sodass der Preis für die Strecke von erfasstem Start bis Ziel automatisch berechnet und abgezogen wird. Dafür muss die Geldkarte zuvor mit einem Guthaben aufgeladen werden.

    Das heißt auch: Solange man die Station nicht durch die Tore verlässt, kann man innerhalb des Systems beliebig fahren, ohne dass etwas berechnet wird. Dass man versehentlich zu weit gefahren, umgestiegen und wieder zurückgefahren ist, weiß das Tor an der Zielstation nicht.

    Fazit: Verfahren mit dem Zug ist kein Problem und wird nicht zum teuren Spaß. Einfach nicht die Station verlassen, neu orientieren und zurückfahren. Der Fahrtpreis bleibt, wie ursprünglich eingeplant.

  • Die Sache mit der Telefonnummer

    Eine meiner wichtigsten Missionen der ersten Tage in Japan war es natürlich, eine japanische SIM-Karte zu erhalten um einerseits eine erreichbare Telefonnummer und andererseits unlimitiertes Datenvolumen zu haben.

    Dafür wurde mir im Voraus ein Tarif bei Rakuten empfohlen, welcher über mehrere Stufen bis hin zu unlimitiertem Datenvolumen verfügt. Der Preis wird dynamisch, je nach Verbrauch des Monats berechnet. Bis 3 GB 980 JPY, bis 20 GB 1980 JPY und ab 20 GB 2980 JPY.

    Das Problem: Bei der Anmeldung für die SIM-Karte wird die Angabe einer japanischen Telefonnummer gefordert – über welche ich ja noch nicht verfügte. Um diesen Sachverhalt zu klären, wurde mir in meiner Sprachschule empfohlen, einen Rakuten Store aufzusuchen und den Tarif dort in Person zu buchen.

    Also machte ich mich, bewaffnet mit einer ausgedruckten Google Maps Karte aus der Schule, auf den Weg nach Sannomiya. Dabei handelt es sich wohl um einen der belebtesten Teile von Kobe mit einem großen Wirrwarr an mehrstöckigen Bahnstationen und übereinander gestapelten Einkaufsstraßen. Wöge man sich hier mit einer ausgedruckten Karte in Sicherheit, beginge man wohl einen Denkfehler.

    Es blieb also wieder nichts anderes übrig, als andere Passanten nach dem Weg zu fragen. Ungünstigerweise befand ich mich gerade in einem Bereich mit wenigen Leuten. Die einzigen anwesenden Personen waren ein Herr mittleren Alters, der mir in gebrochenen Worten zu verstehen gab, dass er nicht Japanisch sei und ein junges, potenzielles Pärchen in Schuluniform. In Ermangelung von Alternativen sprach ich also die beiden an und erhielt zunächst wenig Feedback, abgesehen von einem etwas überforderten Lächeln. Irgendwie haben wir es dann aber doch geschafft, uns zu verständigen und mir wurde angeboten, gemeinsam zum Rakuten-Store zu gehen.

    Fünf Minuten später erreichten wir einen kleinen Bereich, in dem unterschiedliche Mobilfunk- sowie andere Anbieter in Ein- bis Zweimannstärke nebeneinander aufzufinden waren. Ich verabschiedete mich von meinen Wegweisern und ging zu einer Dame, von der ich glaubte, dass sie mit dem Rakuten-Poster zu assoziieren sei. Geduldig hörte sie sich mein Anliegen in einfacher japanischer Sprache an und fragte zur Bestätigung noch einmal nach, dass ich also eine neue SIM-Karte beantragen wolle. Nach Bejahen dieser Frage wies sie mich dann darauf hin, dass sie Teil einer Bank und nicht von Rakuten sei und zeigte auf ein kleineres Plakat zwischen den beiden Rakuten Plakaten an der Wand hinter ihr. Etwas peinlich berührt entschuldigte ich mich und ging eine Station weiter zum Herrn, der nun aber definitiv dem Rakuten Plakat zuzuordnen war. Dieses Mal mit Glück, denn als ich die Frage, ob ich denn eine Kreditkarte dabeihabe, bejahte, sagte er, wir können den Vertrag vor Ort abschließen. Wir gingen an der Bank vorbei zum anderen Rakuten Plakat, vor dem einige Stühle und Tische standen. Hier wurde nun ein Tablet hinzugenommen, um damit den Vertrag abzuschließen.

    Stellte sich heraus, dass ich mich letztlich einfach auf dem Tablet anmelden musste, um dann denselben Prozess gemeinsam mit dem Rakuten-Mitarbeiter durchzuführen, den ich zuvor auch online schon probiert hatte abzuschließen. Die Telefonnummer wurde also auch hier benötigt – allerdings wurde mir erklärt, dass ohnehin niemand bei der Telefonnummer anrufen würde und ich somit beispielsweise einfach die Telefonnummer der Schule angeben könne. So getan stand dem Abschluss meines Vertrags nunmehr nichts mehr im Wege.

    Nachdem ich die eSIM installierte, kam allerdings noch ein weiterer, für mich leicht irritierender Schritt. Der Mitarbeiter erklärte mir, dass er für die Quittung eine App auf meinem Handy installieren müsse, welche er aus dem Play Store herunterlud. Anschließend sollte ich mein Handy (entsperrt) auf ein Tablett legen. Es wurde dann einem anderen Mitarbeiter übergeben, der mitsamt meinem Handy auf dem Tablett zu einem anderen Schalter ging. Da das Ganze für mich sehr verwirrend war und ich nicht alles auf Japanisch verstand, wehrte ich mich nicht gegen diesen Vorgang und hoffte inständig, dass das kein Fehler sein würde. Beschwichtigt durch den Gedanken, dass Japan gerade im Job für seine Aufrichtigkeit bekannt ist und wir uns in einem großen Geschäft mit Kameras befanden, ließ ich mein Handy also mitnehmen. Unfassbar unangenehme drei Minuten des Wartens später kam der Herr dann wieder zurück mit dem Tablett, meinem Handy und einer Quittung darauf.

    Die App habe ich anschließend deinstalliert und bis dato habe ich keinen negativen Effekt feststellen können. Sollte sich das noch ändern, werde ich das in diesem Artikel aktualisieren. Was mir noch eine Woche später aufgefallen ist: Ich bin gar nicht im offiziellen Rakuten-Store in Sannomiya gewesen, sondern in dem Geschäft eines Vertragspartners (oder so ähnlich) – das habe ich zwar schon am Logo auf der Quittung feststellen können, richtig erfasst habe ich es aber erst, nachdem ich bei einer anderen Gelegenheit am tatsächlichen Rakuten-Store in Sannomiya vorbeigelaufen bin.

  • Anmeldung in Japan

    Die Anmeldung der Adresse in Japan muss, ähnlich wie in Deutschland, innerhalb von zwei Wochen nach Bezug der Wohnung stattfinden.

    Vor der Anmeldung suchte ich meine Sprachschule auf. Das stellte sich als gute Idee heraus, denn die Schule gab mir die notwendigen Formulare, die normalerweise im Bezirksamt zum Ausfüllen ausliegen, bereits für mich vorausgefüllt mit. Mit diesen Formularen und meiner RESIDENCE CARD ging ich also an Tag 2 direkt zum Kobe Nagata Bezirksamt.

    Im Bezirksamt gibt es einen Empfangsschalter, an dem man sein Anliegen vorbringen kann. Zwar sprach das Personal wie erwartet kein Englisch, war allerdings sehr aufgeschlossen und hilfsbereit. Zunächst wurde ich zu einem Schreibtisch mit Formularen geleitet, bekam dann aber direkt eine Wartenummer in die Hand gedrückt, als ich die vorausgefüllten Exemplare von der Sprachschule vorzeigte. Diese Nummer begleitet einen dann während des gesamten Aufenthalts im Bezirksamt – auch, wenn man nach dem ersten Schalter noch weitere Anliegen hat. Es gibt nämlich nummerierte Schalter – für jedes spezifische Anliegen, das hier bearbeitet wird, ein bis zwei Schalter mit derselben Nummer.

    Zunächst musste ich für die Anmeldung meiner Adresse zum Schalter mit der Nummer fünf. Nach etwa zehn Minuten Wartezeit war ich an der Reihe. Das Verfahren war sehr interessant. Die freundliche Dame, der ich meine Adresse mitteilte, ging einige große (physische) Karten aus einer Kommode durch, zog irgendwann eine heraus und ließ mich auf dieser gedruckten Karte zeigen, wo mein Haus ist. Anschließend markierte sie es auf der Karte und gab diese, zusammen mit meiner RESIDENCE CARD an eine andere Stelle weiter. Nach zehn weiteren Minuten Wartezeit konnte ich meine Karte mit darauf gedruckter Adresse auf der Rückseite wieder an mich nehmen. Abschließend wurden alle Unterlagen für den nächsten Schritt vorbereitet und ich wurde zu Schalter 13 geschickt, um meine nationale Krankenversicherung abzuschließen.

    Erneute zehn Minuten später musste ich dann nur noch die vorbereiteten Materialien an Schalter 13 vorzeigen und der freundliche Herr wusste direkt, was zu tun war.

    Über den gesamten Prozess waren einige Sätze auf Japanisch notwendig – davon nicht alle mit einfachem Vokabular. Dennoch war es irgendwie machbar und das Personal wiederholte hilfsbereit Sätze in einfacherem Japanisch, wenn ich mal nicht mitkam. Nach etwa einer Stunde Aufenthalt konnte ich das Gebäude nach erledigter Arbeit und mit einem Ordner an Bestätigungspapieren sowie Mülltüten und Erklärungen zu Katastrophenvorsorge und Mülltrennung wieder verlassen.

  • Einstufungstest

    An meiner Sprachschule gibt es eine Vielzahl an Klassen auf unterschiedlichen Niveaus. Um neue Schüler der passenden Klasse zuzuordnen wird stets ein Einstufungstest durchgeführt. Der Einstufungstest an der Sprachschule bestand aus drei Teilen.

    Der erste Teil: Ein kurzes Interview, in dem ich nach Dingen wie meinem Namen oder meiner Herkunft gefragt wurde.

    Der zweite und in gewissem Sinne simpelste Teil bestand daraus, alle Hiragana und Katakana aufzuzeichnen.

    Der dritte und schwierigste Teil war dann der tatsächliche Test, der ungefähr dem Japanisch-Level N4 entsprechen sollte und somit vermutlich auch ähnliche Fragestellungen beinhaltete. Hier sollten unter anderem richtige Partikel eingesetzt, Kanji gelesen und Sätze gebildet werden. Zwar schaffte ich hier eine relativ gute Punktzahl und bekam daher noch einen schwierigeren Test vorgelegt; diesen wiederum konnte ich aber nicht abschließen.

    Alles zusammen dauerte etwa eine knappe Stunde und fand in einem kleinen Raum direkt neben dem Lehrerzimmer statt.

  • Der erste Tag

    Wie so üblich am Tag nach der Ankunft in einer neuen Zeitzone war mein Rhythmus erstmal ordentlich durchmischt. Nachdem ich noch vor 5 Uhr (nach etwa drei Stunden Schlaf) bereits wieder aufwachte, konnte ich bereits heute um 8 Uhr meine Mitbewohner kennenlernen, die sich für Arbeit und Sprachschule fertigmachten. Es stellte sich heraus, dass zwei meiner Mitbewohner dieselbe Sprachschule besuchten wie ich.

    Nach einigen kurzen Konversationen machte ich mich allerdings wieder auf den Weg ins Bett, um nochmal eine Mütze Schlaf zu bekommen. Das funktionierte ein wenig zu gut – denn um den Jetlag damit auch für die kommenden Tage zu sichern, wachte ich erst gegen 14 Uhr wieder auf.

    Sonderlich viel nahm ich mir für den ersten Tag nicht vor. Die erste Amtshandlung war ein kleiner Erkundungsspatziergang. Vor allem, um den nächsten Supermarkt zu finden. Denn während Convenience-Stores in Japan wie Sand am Meer auftauchen, ist es für die Grundversorgung und eine vernünftige Erstausstattung doch sinnvoller, einen meist günstigeren, gut ausgestatteten Supermarkt aufzusuchen. Natürlich wird für diesen Zweck auch direkt auf Japanisch nach dem Weg gefragt, um in die Sprachpraxis einzutauchen.

    Nach meiner Einkaufstour bot mir einer meiner Mitbewohner an, mir eine kleine Stadtrundführung zu geben. So konnte ich mir direkt am ersten Tag ein Bild von der Umgebung inklusive Sprachschule und Bezirksamt machen.

    Am Abend rundete ich den Tag direkt damit ab, zum ersten Mal Ramen essen zu gehen. Auch hier konnte ich beim Bestellen und Bezahlen ein bisschen Sprachpraxis üben und sollte nach einem kurzen Gespräch auf Japanisch gleich versprechen, wiederzukommen.

  • Mein Sharehouse

    Die Organisation meiner Unterkunft in einem Sharehouse (quasi WG) übernahm die Nipponcademy für mich. Entsprechende Unterkünfte lassen sich aber auch über Seiten wie sharehouse.in finden. Die Monatsmiete für ein 11,5m2 Zimmer beträgt rund 300 Euro.

    Meine ersten Eindrücke vom Sharehouse lassen sich in zwei Gedanken zusammenfassen:

    1. Scheiße, ist das heiß!
    2. Ja, das ist mal traditionell gehalten!

    Meinen Raum fand ich im 1. Stock. Darin enthalten auf den ersten Blick: Tatami-Boden, Stuhl und Schreibtisch, Futon in der Ecke auf dem Boden – welchen ich sogleich einem Praxistest unterzog.

    Am Folgetag konnte ich mich etwas genauer umsehen: Das Sharehouse verfügt über fünf Einzelräume und einen gemeinsam genutzten Bereich mit Küche, Toilette, Bad und Aufenthaltsraum. Die gemeinsamen Räume sind durch traditionelle große Schiebetüren voneinander getrennt. An einigen Orten wie Küche und Bad gibt es Abstellmöglichkeiten, die mit den Zimmernummern beschriftet sind, um die Besitzverhältnisse klar zu halten. Außerdem befinden sich sowohl in den Zimmern als auch im gemeinsamen Raum Klimageräte.

    Der Baderaum ist ebenfalls sehr traditionell mit nassbarem Sitzbereich, Duschkopf und Wanne. Das Warmwasser muss durch einen Knopf aktiviert werden, mit dem ich bei meiner ersten Dusche noch nicht vertraut war. Glücklicherweise war das Kaltwasser durch die hohe Außentemperatur dennoch recht angenehm.

    Ein großer Nachteil, den ich nahezu täglich schmerzhaft in Erinnerung gerufen bekommen würde, sind die niedrigen Rahmen der raumtrennenden Schiebetüren, durch die man sich regelmäßig bücken muss. Sofern man denn dran denkt.

    Für mein Zimmer musste ich einige Dinge extra auf Amazon bestellen, da mein Zimmer beispielsweise über Schränke verfügte, diese jedoch nicht mit entsprechenden Schrankböden ausgestattet waren.

    Was ich ebenfalls nicht wusste: Die kostenfrei nutzbare Waschmaschine, sowie die meisten Waschmaschinen in Japan, verfügt über keine Einstellmöglichkeiten der Temperatur und Drehzahl. Zur Temperatur konnte ich immerhin herausfinden, dass die Waschmaschinen hier immer bei gegebener Wassertemperatur waschen.

  • From KIX to Kobe City

    Eigentlich wollte ich nach Ankunft am Flughafen einen Duschraum aufsuchen. Ein Unterfangen, welches ich aber zeitlich inklusive der Suche danach nicht mehr geschafft hätte, da die zuvor geschilderten Prozesse bereits einiges an Zeit in Anspruch genommen hatten und der letzte Bus gen Kobe um 23 Uhr fahren sollte. Also entschied ich mich kurzer Hand, trotz dem ich an diesem Punkt rund 28 Stunden Reise auf dem Buckel hatte und mich wie ein verbrauchter Putzlappen fühlte, direkt ein Ticket zu lösen und mich in die Schlange für den Bus zu stellen.

    Dieser erschien auch pünktlich einige Minuten vor 23 Uhr. Der Fahrkartenkontrolleur versah alle Koffer der Passagiere gegen Vorzeigen des vorab am Automaten gelösten Tickets mit einem Aufkleber mit einer Nummer am Henkel und drückte dem jeweiligen Kofferbesitzer einen Zettel mit derselben Nummer in die Hand. Dies sollte sich später noch als sehr wichtig herausstellen, denn bei Ankunft wurden die Koffer nur im Austausch gegen diesen Zettel wieder herausgegeben.

    Leider nahm das nicht jeder so ernst: Nach der rund einstündigen Shuttle-Fahrt vom Flughafen zur Sannomiya Station in Kobe versuchte ausgerechnet ein Fahrgast, der kein Japanisch sprach, seinen Koffer mitzunehmen, ohne den Zettel vorzuzeigen. Dies wurde nicht geduldet und es kam zu der unnötigsten Diskussion, die ich seit langer Zeit erleben durfte. Der Angestellte betonte nämlich, dass der Fahrgast seinen Koffer auch ohne den Zettel nehmen könne und dafür lediglich warten müsse, bis die anderen Fahrgäste ihre Koffer alle erhalten haben. Ein durchaus logischer Vorschlag, der sogar auf Englisch kommuniziert wurde. Der Kopfhörer tragende Fahrgast zeigte sich darauf aber leider unbeeindruckt und zog mit den wiederholten Worten „Give me my bag man, that’s my bag!“ am Koffer, der seinerseits von dem Angestellten festgehalten wurde. Auch Vermittlungsversuche meinerseits trafen leider auf taube Ohren des Fahrgasts, welche vermutlich auch zu diesem Zeitpunkt noch Musik auf den Ohren hatten. Naja – glücklicherweise konnte ich meine Koffer ohne Komplikationen erhalten und auch die Situation löste sich am Ende ohne Verletzte, aber mit einem erbost zurückgelassenen Kontrolleur nach einigen Minuten wieder auf und alle schienen ihre Koffer erhalten zu haben.

    Freundlicherweise bot mir einer meiner künftigen Mitbewohner während der Busfahrt via LINE an, mich mit seinem Auto von der Station abzuholen. Das ersparte mir eine circa zwanzigminütige Taxifahrt sowie Herumgerätsel mit dem Türschloss. Eine freundliche Geste, mit der ich um 1:00 Uhr am Ende meiner insgesamt etwa dreißigstündigen Reise noch gar nicht gerechnet hätte.

  • Disembarkation

    Bei der Einreise am Flughafen KIX gelangt man zunächst in den IMMIGRATION-Bereich des Flughafens. Der erste Schritt ist relativ einfach, denn es gibt eine Ausschilderung mit der Aufschrift FOREIGN PASSPORTS. Der Ausschilderung folgend findet man sich in einer Halle mit diversen Schaltern wieder, über denen Schilder mit den Aufschriften TEMPORARY VISITOR / TOURIST oder RESIDENCE CARD hängen.

    Bevor man sich an einem Schalter anstellt, sollte man die DISEMBARKATION CARD FOR FOREIGNER ausgefüllt haben. Hier werden einige Dinge abgefragt, die eigentlich bereits bei Visumsantrag angegeben wurden – wie der Grund für den Besuch, oder ob eine kriminelle Historie vorliegt. Da ich nicht wusste, dass das Ausfüllen der Karte vonnöten ist, ging ich sofort zum Schalter. Hier wurde ich allerdings freundlich auf das Formular hingewiesen und hatte die Möglichkeit, das Formular in Ruhe auszufüllen und wieder zum Schalter zu kommen.

    Neben den TEMPORARY VISITOR / TOURIST und RESIDENCE CARD Schaltern gibt es auch einen Schalter, der beide Aufschriften trägt. Um auf Nummer sicherzugehen und nichts falsch zu machen, entschied ich mich anschließend für diesen Schalter. Tatsächlich erhält man nämlich gleich am Flughafen, sofern ein entsprechendes Langzeitvisum vorliegt, seine persönliche RESIDENCE CARD – zu diesem Zeitpunkt noch ohne eingetragene Adresse. Dieser Prozess dauert einige Minuten ist aber völlig unkompliziert und bedarf lediglich des Reisepasses mit dem Visum.

    Die RESIDENCE CARD fungiert ähnlich einem Ausweis und enthält somit auch Lichtbild, Geburtsdatum und weitere Angaben. Innerhalb von zwei Wochen ist man verpflichtet, sich an seinem Wohnort innerhalb Japans mit der RESIDENCE CARD zu melden.

    Nach erfolgreichem Erhalt der RESIDENCE CARD ist es endlich soweit und man kann aus dem Flughafen – oder so dachte ich es zumindest. Zwar kann man nun sein Gepäck abholen, die Sache mit den Formularen ist aber noch nicht zu ende. Denn vor dem Verlassen des Flughafens muss man noch die CUSTOMS DECLARATION ausfüllen.

    Auch hier bin ich wieder blind reingestrauchelt und wurde am entsprechenden Ausgang darauf hingewiesen, dass ich nochmal zurückgehen müsse, um das Ausfüllen des Formulars an einem Tisch mit Kugelschreibern nachzuholen. Dem jedoch nicht genug – hier ist es auch notwendig, seine Adresse in Japan (der ersten Unterkunft) einzutragen. Das ist einfacher gesagt als getan, wenn die Adresse eigentlich vollständig aus Kanji besteht. Ich persönlich habe das Feld demnach freigelassen und dem netten Herrn am Ausgang erklärt, dass ich noch Schwierigkeiten habe, Kanji zu schreiben. Das war jedoch kein Problem, denn ich konnte meine Adresse digital zeigen und er trug in zuvorkommender Weise die Adresse für mich ein.